Tic-Störungen, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Zwangsstörungen

Sensorische Vorgefühle bei Patienten mit Tourette Syndrom und Zwangserkrankungen

Ansprechpartner: Prof. Dr. V. Roessner, Dipl.-Psych. J. Buse
Kooperationspartner:
  Prof. Dr. M. Smolka, Systemische Neurowissenschaften, Dresden
  Prof. Dr. A. Münchau, Neurologie, Hamburg-Eppendorf

Sowohl bei TS Patienten als auch bei Zwangspatienten werden häufig sensorische Phänomene (SP) berichtet, die den Tics bzw. Zwangshandlungen vorausgehen. Diese werden z.B. als Kribbeln, innerer Drang oder „Not Just Right Experiences“ ("Gerade-Richtig-Gefühle") beschrieben. Trotzdem gibt es bisher wenige Studien, die sich mit den physiologischen und neuronalen Korrelaten dieser Phänomene beschäftigen, und damit weitere Hinweise auf die Ätiologie der Störungen liefern könnten. Das Anliegen der Studie ist es, sensorische Phänomene bei Tourette Syndrom (TS) und Zwangsstörungen (Obsessive-Compulsive Disorder, OCD) phänomenologisch zu beschreiben
und ihre neuronalen Korrelate anhand von drei verschiedenen Paradigmen im fMRT und EEG zu untersuchen.

 

Der Zusammenhang zwischen Zwangssymptomen und der Wahrnehmung erwartungswidriger Harmonien

Ansprechpartner: Dipl.-Psych. J. Buse, Dr. D. Dörfel
Kooperationspartner:
  Prof. Dr. M. Smolka, Systemische Neurowissenschaften, Dresden

Zwangspatienten berichten häufig, dass ihre Zwangshandlungen von einem Unvollständigkeitsgefühl angetrieben werden bzw. von dem Gefühl, dass etwas „nicht genau richtig ist“ („Not Just Right Experiences“; NJRE).
Trotzdem gibt es bisher wenige Studien, die sich mit physiologischen und neuronalen Korrelaten dieser NJRE beschäftigen und damit wertvolle Hinweise auf die Ätiologie der Störung liefern könnten. Wir wollen in dieser Pilotstudie untersuchen, ob es von der Stärke ihrer Zwangssymptome abhängt, wie Probanden einer nicht-klinischen Stichprobe (Studenten der TU Dresden) auf die experimentelle Induktion von NJRE reagieren, um hiermit den Vergleich von Zwangspatienten mit gesunden Kontrollpersonen vorzubereiten, der für die Hauptuntersuchung (s.o. "Sensorische Vorgefühle bei Patienten mit Tourette Syndrom und Zwangserkrankungen") geplant ist.
NJRE sollen dabei durch Akkordsequenzen induziert werden, welche die Regeln der harmonischen Tonalität verletzen (Harmonic Expectancy Violation Paradigma = HEV). Bei einer Auswahl der Probanden soll außerdem die Hirnaktivität mittels fMRT gemessen werden, während sie diese Akkordsequenzen wahrnehmen und bewerten.

 

Familiäre Zusammenhänge von Tic-Störung und ADHS

Ansprechpartner: Prof. Dr. V. Roessner
Kooperationspartner:
  Prof. Dr. T. Banaschewski, ZI Mannheim
  IMAGE Consortium

Obwohl beide Störungsbilder gehäuft zusammen auftreten, sind nur wenige Daten zur familiären Häufung von Tic-Störungen und ADHS bekannt. Anhand der im Rahmen des europäischen IMAGE Verbundprojekts rekrutierten Familien mit AHDS analysieren wir die Vererblichkeit von Tic-Störungen bei Vorliegen einer ADHS und untersuchen den Einfluß von begleitenden Tic-Störungen auf psychopathologische Parameter bei ADHS.

 

Connexin36 (Cx36) Gen beim Tourette Syndrom 

Ansprechpartner: Prof. Dr. V. Roessner
Kooperationspartner:
  Prof. Dr. J. Hebebrand, KJP, Essen
  Prof. Dr. A. Rothenberger, KJP, UMG Göttingen
  Diagenom GmbH

Connexin36 ist bislang der einzige Connexinsubtyp, von dem bekannt ist, dass er ausschließlich in Neuronen lokalisiert ist. Während der pränatalen Gehirnentwicklung zeigt Cx36 ein äußerst dynamisches Expressionsmuster mit einer bevorzugten Lokalisation an wichtigen Gewebeübergängen. Im adulten Gehirn ist die Ausbildung elektrischer Synapsen durch Cx36 vorwiegend für die synchronisierte Aktivität inhibitorischer Netzwerke verantwortlich. Angesichts neuerer Hypothesen zur Pathophysiologie des Tourette Syndroms, die von einer Dysrhythmie oszillatiorischer Netzwerke im ZNS ausgehen, könnten beim Cx36 Gen bie Patienten mit Tourette Syndrom Veränderungen aufweisen. 

 

Elterntraining bei ADHS und expansivem Problemverhalten 

Ansprechpartner: Hr. R. Haase
Kooperationspartner:
  Prof. Dr. M. Döpfner, KJP, Köln
  Frau Dipl. Psych. J. Plück, KJP, Köln

Frühere Arbeiteten zeigten positive Effekte auf die Symptomatik der Kinder, wenn Eltern von Kindern mit diagnostiziertem ADHS, speziell im Rahmen eines Elterntrainings geschult wurden. Ein besonderer Fokus soll in dem von der Universitätsklinik Köln entwickelten Konzept (PEP) auf Präventionsaspekte gelegt werden. Neben Eltern von Kindern mit diagnostiziertem ADHS richtet sich dieses Programm auch an Eltern von Kindern mit expansivem Problemverhalten ohne dass bereits die Kriterien einer klinischen Diagnose erfüllt sein müssen. In dieser Arbeit soll der Einfluss von einem speziellen Elterntraining (PEP) auf die Zufriedenheit und subjektiv empfundene erzieherische Kompetenz der Eltern sowie die Auswirkung auf die Symptomatik der Kinder mit expansivem Problemverhalten untersucht werden.

 

Tic-Störungen und ADHS - welchen Einfluß haben begleitende Zwangsmerkmale? 

Ansprechpartner: Prof. Dr. V. Roessner
Kooperationspartner:
  Dr. A. Becker, KJP, UMG Göttingen
  Prof. Dr. A. Rothenberger, KJP, UMG Göttingen
  Fr. F. Schultze, Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst des Kantons Zürich

Anhand des Elternurteils (Child Behavior Checklist, CBCL) konnten wir in einer früheren Arbeit für das Zusammenspiel von Tic-Störungen und ADHS einen negativeren Einfluß der ADHS in einer ausreichend großen klinischen Stichprobe mit reinen Störungen, d.h. ohne die Ergebnisse beeinträchtigende komorbide Störungen, nachweisen. Neben diesem kategorialen Blick stellte sich aber schnell die Frage, inwieweit die häufig bei Tic-Störungen und ADHS vorkommenden Zwangsmerkmale die Ergebnisse beeinflußt haben könnten. Daher werden verschiedene gebräuchliche Zwangsscores der CBCL als Kovariate in die ursprünglichen Berechnungen eingeführt. 

 

Tic und Zwangsstörungen - psychopathologische Veränderungen im Entwicklungsverlauf 

Ansprechpartner: Fr. Dipl.Psych. S. Wanderer
Kooperationspartner:
  Dr. A. Becker, KJP, UMG Göttingen
  Prof. Dr. R. Freeman, University of British Columbia, Vancouver
  Prof. Dr. A. Rothenberger, KJP, UMG Göttingen
  Tourette Syndrome International Database Consortium

Beim Tourette Syndrom (TS) verändert sich im Entwicklungsverlauf nicht nur die Symptomatik sondern auch Art und Anzahl der häufig begleitenden Störungen. Allerdings sind hierzu wenig Daten verfügbar, obwohl die Kenntnis über den typischen Verlauf der Psychopathologie sowohl bei Diagnostik als auch Therapie des Tourette Syndroms von entscheidender Bedeutung ist. Daher untersuchen wir in einer internationalen Datenbank zu über 5000 Kindern und Jugendlichen mit TS, die Hilfe in tertiären Zentren suchten, den Einfluß einer das TS begleitenden Zwangsstörung auf die Psychopathologie im Entwicklungsverlauf.


Interhemispherielle Konnektivität beim Tourette Syndrom - eine Untersuchung mittels TMS, DTI, struktureller und funktioneller Bildgebung

Ansprechpartner: Prof. Dr. V. Roessner
Kooperationspartner:
  Dr. J. Baudewig, MR - Forschung in der Neurologie & Psychiatrie, UMG Göttingen
  Fr. J. Böhm, Pädiatrie, UMG GöttingenPD Dr. Peter Dechent, MR - Forschung in der Neurologie & Psychiatrie, UMG Göttingen
  Dr. G. Helms, MR - Forschung in der Neurologie & Psychiatrie, UMG Göttingen
  Fr. J. Kluth
  Hr. S. Overlack, KJP, UMG Göttingen
  Prof. Dr. A. Rothenberger, KJP, UMG Göttingen

In Studien zum Tourette Syndrom fanden sich immer wieder Hinweise auf Veränderungen der interhemispheriellen Konnektivität. Da es sich jeweils um Studien mit einem Untersuchungsverfahren handelt bzw. die Ergebnisse sehr durch weitere Variablen wie Geschlecht, Komorbidität und Medikation konfundiert wurden, untersuchen wir mit unterschiedlichen Methoden (Verhaltensdaten, TMS, DTI, strukturelle und funktionelle Bildgebung) in einer Gruppe mit strengen Ein- und Ausschlußkriterien unterschiedlichste Aspekte der interhemispheriellen Konnektivität, um unter diesem Gesichtspunkten neue Erkenntnisse über die Pathophysiologie des TS zu erlangen. 

 

Lebensqualität bei Tic-Störungen 

Ansprechpartner: Prof. Dr. V. Roessner
Kooperationspartner:
  Prof. Dr. R. Dodel, Neurologie, Philipps-Universität Marburg
  PD Dr. A. Ludolph, KJP, Universitätsklinikum Ulm
  Prof. Dr. K. Müller-Vahl, Psychiatrie, MHH Hannover
  Prof. Dr. A. Münchau, Neurologie, UKE Hamburg
  PD. Dr. I. Neuner, Psychiatrie, RWTH Aachen
  Dr. C. Vitt, KJP, RWTH Aachen

Die Lebensqualität von Patienten mit einer Tic-Störung kann erst seit kurzem mit spezifischen englischsprachigen Instrumenten erfaßt werden. Ziel des Projektes ist die Erstellung und Validierung einer deutschsprachigen Version dieser hervorragenden spezifischen Fragebogeninventare. 

 

Vorgefühle bei Tic-Störungen 

Ansprechpartner: Prof. Dr. V. Roessner
Kooperationspartner:
  PD Dr. A. Ludolph, KJP, Universitätsklinikum Ulm
  Prof. Dr. K. Müller-Vahl, Psychiatrie, MHH Hannover
  Prof. Dr. A. Münchau, Neurologie, UKE Hamburg
  PD. Dr. I. Neuner, Psychiatrie, RWTH Aachen
  Dr. C. Vitt, KJP, RWTH Aachen

Mit zunehmendem Lebensalter berichten von einer Tic-Störung Betroffene von einem dem einzelnen Tic vorausgehenden Vorgefühl. Zur Erfassung solcher Vorgefühle existieren bisher nur englischsprachige standardisierte Erhebungsinstrumente, die sich unterscheiden. Ziel des vorgestellten Projektes ist eine Weiterentwicklung und Verbesserung existierender Instrumente sowie die Übertragung in den deutschen Sprachraum. Dies soll ermöglichen die genaue Ausprägung und Lokalisation solcher Vorgefühle besser erfaßbar zu machen. 

 

Riechfunktion bei Tic-Störungen und/oder ADHS 

Ansprechpartner: Prof. Dr. V. Roessner
Kooperationspartner:
  Prof. Dr. T. Hummel, HNO, UKD Dresden

Während zur Riechfunktion bei Patienten mit ADHS erste Ergebnisse vorliegen, sind solche Studien bisher nicht mit Patienten mit Tic-Störungen durchgeführt worden. Da bei beiden Störungen Veränderungen im dopaminergen Stoffwechsel nachgewiesen wurden, stellt sich die Frage nach Veränderungen beim Riechen, wie sie z.B. in der Frühform des Parkison beobachtet werden. 

 

Atopisches Ekzem und ADHS - Wie erklärt sich der Zusammenhang? 

Ansprechpartner: Prof. Dr. V. Roessner
Kooperationspartner:
  PD Dr. J. Schmitt, Dermatologie, UKD Dresden
  Dr. A. Buske-Kirschbaum, Biopsychologie, TU Dresden

Neueste Daten zeigen ein überzufällig häufiges gemeinsames Auftreten von atopischem Ekzem und ADHS. Über die zugrundeliegenden Mechanismen liegen nur rudimentär Erkenntnisse aus sehr kleinen Studien vor, so dass eine multimethodische Untersuchung möglicher pathophysiologischer Gemeinsamkeiten und Unterschiede an einer größeren Stichprobe dringend erforderlich ist, um weiter Klarheit zu schaffen und damit auch mögliche Präventionsmaßnahmen entwickeln zu können. 

 

Sind immunologische Faktoren an Tic- und/oder Zwangsstörungen beteiligt? 

Ansprechpartner: Prof. Dr. V. Roessner
Kooperationspartner:
  G. Giovannoni, London, UK
  A. Schrag, London, UK
  P. Hoekstra, Groningen, Netherlands
  D. Martino, Bari, Italy
  N. Muller, Munchen, Germany
  G. Orefici, Rome, Italy
 

Seit langem wird diskutiert, ob und wenn ja inwieweit immunologische Reaktionen z.B. infolge einer Infektion mit Streptokokken zu einem Auftreten von Tics und/oder Zwängen führen können. Dies würde für eine solche Subgruppe von Betroffenen einen neuen und erstmals ursächlichen Behandlungsansatz eröffnen. Allerdings konnten bisherige positive Studienergebnisse nicht repliziert werden. Auch wurde bisher ein eher kleiner Ausschnitt an immunologischen und assoziierten Parametern untersucht, so daß mit dieser Studie an einer großen paneuropäischen Stichprobe multimethodisch eine mögliche Subgruppe mit immunologischen Veränderungen identifiziert und evtl. erfolgreich behandelt werden soll.

 

Motorische Fertigkeiten von Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und umschriebenen Entwicklungsstörungen motorischer Funktionen (UEMF) – Einfluss von Physiotherapie

Ansprechpartner: Fr. Dipl. Psych. S. Wanderer
Kooperationspartner:
  B. Konrad, Universitäts-Physiotherapie-Zentrum, Dresden
  Dr. med. R. Burghardt, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des   Kindes- und Jugendalters, Berlin

Annährend die Hälfte der Kinder mit ADHS zeigen Beeinträchtigungen in ihren motorischen Fertigkeiten bzw. weisen eine UEMF auf. Durch ihre Verhaltensauffälligkeiten und motorische Ungeschicklichkeit kann es zum Ausschluss von sozialen Aktivitäten kommen. Dieser hat wiederum negative Auswirkungen auf die Psyche und den Selbstwert.
Es gibt nur wenige Studien, die die Wirksamkeit von Behandlungsmöglichkeiten bei dieser Gruppe von Betroffenen untersucht haben. Wir wollen in unserer Studie untersuchen, wie sich eine achtwöchige Physiotherapie im Vergleich zu einer pharmakotherapeutischen Behandlung mit Methylphenidat (ADHS-Medikation) auf die grob- und feinmotorischen Fertigkeiten von Grundschulkindern mit ADHS und UEMF auswirkt.

Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
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